Gerichtsurteil des LG München gegen „Cuba“ und „Havanna“

Begriffe wie „Cuba“ und „Havanna“ für Zigarren aus nicht-kubanischen Tabaken unzulässig .

Nachtrag vom 23.11.18: Das angesprochene Urteil des Landgerichts München hat noch keine Rechtskraft erlangt. Stand per 23.11.18

Auf eine Klage von Habanos S.A. hin hat das Landgericht München in einem aktuellen Urteil festgestellt, dass Bezeichnungen wie „Deckblatt: Habano 2000 Seco“ oder „Umblatt: Piloto Cubano Dominikanische Republik“ unzulässig sind für Zigarren, die aus nicht-kubanischen Tabaken hergestellt sind. „Cuba/Kuba“ und „Havana/Havanna“ sind geographische Herkunftsbezeichnungen, die in Bezug auf Tabak und Zigarren einen besonderen Ruf genießen. Bezeichnungen, die auf ursprünglich aus Kuba stammendes Saatgut Bezug nehmen, beinträchtigen den Ruf und die Unterscheidungskraft der kubanischen Herkunftsbezeichnungen in unlauterer Weise und ohne rechtfertigenden Grund. Auch Angaben zur tatsächlichen Herkunft solcher nicht-kubanischer Tabake macht derartige Verwendungen kubanischer Herkunftsbezeichnungen nicht zulässig.

Das Gericht unterstreicht in seiner Urteilsbegründung, dass „…die Insel Kuba und seine Hauptstadt Havanna nicht nur stellvertretend für Zigarrengenuss, sondern auch für die besondere Qualität des dortigen Tabaks…“ steht. „Kubanische Zigarren sind aufgrund der verwendeten Tabake und der besonderen Herstellungsmethoden (Handarbeit) für ihre besondere Qualität weltweit bekannt.“ Weiter heißt es: „Die willkürliche Verwendung dieser Herkunftsangaben unabhängig von einem aktuellen konkreten Bezug zu Kuba/Havanna beeinträchtigen ihre Unterscheidungskraft, weil dadurch die besondere Bedeutung dieser Begriffe für höchsten Tabakgenuss aus Kuba verloren geht“. … „Allein die Tatsache, dass die von der Beklagten verwendeten Tabake nicht-kubanischer Herkunft ihren Ursprung auf Kuba haben, da Samen von dort nach der kubanischen Revolution in andere Länder mitgenommen wurden, ist für eine Lauterkeit der Angaben, ungeachtet des diesbezüglichen Bestreitens der Klägerin – unzureichend.“

Anlass zu diesem Gerichtsverfahren gab die in letzter Zeit um sich greifende Unsitte, für nicht-kubanische Zigarren mit Hinweisen auf angebliches oder angeblich ursprüngliches „kubanisches Saatgut“ oder „Cuban Seed“ zu werben. Solche Hinweise sind – wie durch das jetzige Urteil bestätigt – rechtlich unzulässig. Auch inhaltlich sind sie für den Zigarrenraucher wenig hilfreich, denn Tabakpflanzen passen sich stark an Böden und Klimabedingungen an und entwickeln aus gleichem Saatgut in verschiedenen Anbaugebieten in kurzer Zeit höchst unterschiedliche Eigenschaften.

Unterschiedliche Regionen Kubas bieten in einzigartiger Weise für verschiedene Tabaksorten ideale Anbaubedingungen. So bilden beste Tabake in breiter Vielfalt die Grundlage für untereinander sehr verschiedene charakterstarke Havannas. Echtes kubanisches Saatgut wird seit vielen Jahrzehnten exklusiv für die kubanische Tabakproduktion gezüchtet und nicht exportiert. Hinzu kommen einzigartige handwerkliche Tradition und einzigartiges Wissen um die Geheimnisse bester Zigarren.
Der besondere Ruf von Kuba für Tabak und Zigarren hat viele Gründe.

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6 Antworten auf “Gerichtsurteil des LG München gegen „Cuba“ und „Havanna“”

  1. Und am Ende kommt leider nur eine Mittelmäßige Qualität raus, aber der Mythos muss natürlich aufrecht erhalten werden, ansonsten kann man die Überzogenen Preise nicht rechtfertigen.

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    1. Vasilij Ratej

      Danke für deinen Kommentar. Ich habe dieses Jahr Kuba besucht. Persönlich finde ich die Preise überhaupt nicht zu hoch – ich habe erlebt, wie dort produziert wird. Ich rauche oft kubanische Zigarren und habe so wenig Ausfälle, dass ich darüber gar nichts sagen kann. Aber, dass einer NICHT geschützte Herkunftsbezeichnung nun Recht gegeben wird, hat mich erstaunt. LG, Vasilij

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  2. Zum Glück gibt es auch nichtkubanische Zigarrenproduzenten, die sogar für ihre einfachste Variante CLASSIC die Tabakblätter mindestens 2-3 Jahre reifen lassen und dann nicht eine masslos überteuerte RESERVA (wie in Kuba) herausbringen.

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    1. Vasilij Ratej

      Das Problem auf Cuba liegt tiefer. Aufgrund der komplett fehlgeschlagenen Zentralplanung sind die wenigen Tabakfelder komplett ausgelaugt. Cuba braucht viel mehr Felder für den Tabakanbau. Sie wären vorhanden, dürfen aber nicht genutzt oder für andere Zwecke genutzt werden. Cuba hat keine Ressourcen. Vom Feld zur Zigarre sozusagen ohne grosse Lagerkapazität.

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  3. Zudem ist festzustellen, dass die Kubaner nicht die Erfinder der Zigarren sind und auch nicht die des Saatgutes. Das Saatgut stammt aus Südamerika und wurde von den spanischen Conquistadoren nach Kuba eingeschleppt.

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    1. Vasilij Ratej

      Historisch gesehen ist das korrekt, was du schreibst. Das hat mit der „Induastrilisierung“ des Tabaks und der Zigarren zu tun. Die Ureinwohner Cubas kannten die Tabakpflanze auch. Sie haben sie bei gewissen Ritualen angezündet und den Rauch eingeatmet. Wie sie die Fermentation entdeckten ist unbekannt.

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